Warum die Frage so wichtig ist.

Zwischen einer Experten-Positionierung und "Mengengeschäft" existieren erhebliche Unterschiede. Das gilt sowohl für die Qualität der erwarteten Leistung als auch im Preisgefüge. Wer sich als Trainer, Berater oder Coach positionieren und sein Preisgefüge schlüssig gestalten möchte, für den ist diese Frage nach dem eigenen Expertenstatus sowohl im Auftritt als auch wirtschaftlich entscheidend. Nur, wenn der Expertenstatus auch erkennbar und nachvollziehbar ist, ist dieser auch glaubwürdig. Doch: Wann ist man nun ein Experte?

Der Expertenbegriff

Um den Begriff es Experten etwas näher zu beleuchten, hilft aus meiner Sicht zunächst ein Blick auf das Wort selbst. Zunächst steht Expertentum für Sachkunde, Fachkenntnis, Sachverstand und Erfahrungsschatz. Expertentum bezieht sich dabei immer auf ein bestimmtes Fachgebiet, welches zu umreißen und zu definieren ist.

Als Experte gilt somit eine Person, welche zu einem Fachgebiet in Fachkreisen mit ihrem Wissen, Kenntnissen und Erfahrungen anerkannt wird. In verschiedenen Sprachen, zum Beispiel Englisch oder Französisch gibt es auch das Wort "pertinant", was so viel bedeutet wie "relevant" oder "einschlägig". Expertise hat also auch etwas mit einer Außenwirkung oder Bedeutung einer Person in Fachkreisen zu tun.

Doch woran lässt es sich nun "messen"?

(Selbst-)Einschätzung

Um den schwammigen Begriff des Experten nun etwas greifbarer zu machen, habe ich hier eine kleine Liste an Kriterien zusammengestellt, welche vielleicht etwas Licht ins Dunkel bringen.

1. Fachgebiet

Zunächst ist das Fachgebiet zu definieren, um welches es geht. Legen Sie also zuerst fest, in welchen Domänen Sie Ihren Expertenstatus hinterfragen und bewerten möchten. Dieses Fachgebiet sollten Sie möglichst konkret und spezifisch umreißen.

2. Seniorität und Experten-Intuition

Um die eigenen Erfahrungen in diesem Fachgebiet zu bewerten, gibt es in angelsächsischen Raum auch den Begriff des 'Seniors'. Dieser wird häufig dann verwendet, wenn jemand in seinem Fachgebiet etwa 5-10 Jahre Praxiserfahrung gesammelt und in diesem gearbeitet hat. Das bedeutet: Er hat sich in dieser Zeit schon zu einem großen Teil mit diesen Themen befasst und daran gearbeitet. Doch Expertenwissen geht noch etwas darüber hinaus:

  • Verfügen Sie in Ihrem Fachgebiet über eine fundierte Qualifikation?
  • Können Sie auf einen langjährigen und breiten Erfahrungsschatz in diesem Fachgebiet zurückgreifen?
  • Haben Sie einen Wissens- und Erfahrungsschatz gesammelt, mit welchem Sie als Kenner gelten und auch Feinheiten intuitiv erkennen und bewerten können?
  • Können Sie zu Fragestellungen schnell und intuitiv zu qualitativ hochwertigen und nützlichen Ergebnissen, Sichtweisen oder Hypothesen gelangen, welche dann Ausgangspunkt für das weitere Vorgehen liefern?
  • Wären Sie in der Lage zu spezifischen Fragen aus dem Stehgreif - beispielsweise in einem Interview - spontane Einschätzungen abzugeben?
  • Können Sie in vielen verschiedenen Fällen flexibel auf passende Beispiele aus Ihrem selbst erlebten Erfahrungsschatz zurückgreifen, um Ihre Einschätzungen fundiert, sicher und glaubhaft zu untermauern?

3. Relevanz und äußere Zuschreibung

Relevanz beschreibt die Bedeutung Ihrer Arbeit als Experte in diesen Fachkreisen oder relevanten Zielgruppen. Das bedeutet, dass Ihre Arbeit eine gewisse Aufmerksamkeit erfährt und auch für die Zielgruppe selbst einen Unterschied macht, also Relevanz besitzt. Letztlich ist Expertenstatus erst dann glaubwürdig, wenn dieser auch von außen zugeschrieben wird, sich Fremdbild und Selbstbild decken. Hierbei können folgende Fragen als Indizien für Expertentum im Sinne der äußeren Zuschreibung nützlich sein:

  • Ist Ihre Arbeit in der Zielgruppe anerkannt? Also: betrachten Kunden, Klienten, Teilnehmer oder Leser Sie als Experten und fragen nach Rat?
  • Gibt es Referenzen zu Ihrer Arbeit in diesem Fachbereich, welche Ihre Sachkunde bestätigen und die unter 2. beschriebene Seniorität sowie Experten-Intuition untermauern?
  • Bescheinigen Ihnen andere Personen zu Ihren Einschätzungen und Analysen eine außergewöhnlich hohe und zügige Treffsicherheit?
  • Bestätigen auch andere fachkundige Personen, Meinungsbildner oder Experten Ihre Expertise?
  • Werden Sie häufig von anderen zu Rate gezogen, bevor Entscheidungen getroffen werden und haben Ihre Aussagen dann oft einen entscheidenden Einfluss auf das weitere Vorgehen.
  • Publikationen: Sind Sie durch Fachpublikationen öffentlichkeitswirksam und anerkannt?
  • Wird Ihre Arbeit auch von anderen fachkundigen Personen als Quelle herangezogen oder sogar zitiert?
  • Werden Sie als Gastredner/Experte zu bestimmten Themen eingeladen oder als (Gast-)Autor angefragt, um Einschätzungen zu Fachfragen abzugeben?
  • Tragen Sie mit Ihrer Meinung, Ihrer Erfahrung und Ihrer Arbeit selbst zur Meinungsbildung in Fachkreisen oder auch Gremien bei?

Insbesondere die letzten drei bis vier Fragen zeigen gut, dass es noch um etwas mehr geht als um Erfahrung, sondern auch um die Relevanz Ihres Wirkens.

Wenn Sie eine Arbeit gut und professionell machen, dann sind Sie "Professional". Fachkenntnisse und Erfahrungen sollten von jedem Professional erwartet werden können.

Expertentum beginnt in in dem Moment, in welchem Sie mit Ihrer Arbeit selbst zur Meinungsbildung in Fachkreisen beitragen und in diesen Fachkreisen nach Ihrer Expertise - also nach Ihrer sachkundigen Einschätzung - gefragt werden. Wenn Sie insbesondere zur Abgabe spontaner, intuitiver, schlüssiger und fundierter Einschätzungen auf Basis Ihres eigenen und selbst erlebten Erfahrungsschatzes in der in der Lage und gefragt sind, gelten Sie als Experte.

 

Andreas Wenzel

Andreas Wenzel

Berater, Trainer, Autor & Coach bei BusinessLike
Berater, Trainer und Coach für Strategie, zukunftsfähige Geschäftsmodelle, Banksteuerung und Risikomanagement.
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